Pressemitteilung: 975 antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen in Berlin 2025 – im Schnitt täglich fast drei Vorfälle

Pressemitteilung: 975 antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen in Berlin 2025 – im Schnitt täglich fast drei Vorfälle

8. Juni 2026

Berlin, 8. Juni 2026 – Frauen werden in der Tram bespuckt, weil sie ein Kopftuch tragen, Mädchen werden in Grünau angegriffen, ein Kopftuch zerrissen. Eine Moschee in Neukölln wird bedroht. In Zehlendorf erhält ein Mann jahrelang regelmäßig antimuslimische Hassnachrichten durch einen Nachbarn – trotz zahlreicher Anzeigen passiert nichts. Das sind keine Einzelfälle. Die Jahresbilanz zeichnet ein alarmierendes Bild für Berlin: 975 antimuslimische Vorfälle wurden 2025 insgesamt dokumentiert – darunter Diskriminierungen, Beleidigungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und körperliche Gewalttaten (2024: 644). Zudem wurden vier Angriffe auf Moscheen erfasst (2024: 0). Damit ereigneten sich in Berlin im Durchschnitt nahezu drei antimuslimische Vorfälle pro Tag. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Vorfälle weder gemeldet noch angezeigt werden.

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CLAIM gGmbH
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Friedrichstraße 206 | D- 10969 Berlin

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Die Jahresbilanz basiert unter anderem auf den Meldungen von elf Berliner Beratungs- und Meldestrukturen sowie Community-basierten Initiativen. Die deutlich erweiterte Datengrundlage für das Berichtsjahr 2025 ermöglicht einen umfassenderen Einblick in das Ausmaß von antimuslimischem Rassismus in Berlin und schafft eine Grundlage für wirksame Gegenmaßnahmen. Der Anstieg der dokumentierten Fälle im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr (2024: 644) deutet darauf hin, dass betroffene Menschen zunehmend besser erreicht werden. Die reale Zahl dürfte jedoch weitaus höher liegen. Laut einer Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (2024) melden nur 4 % der Betroffenen in Deutschland eine erlebte Diskriminierung. Damit liegt Deutschland unter dem ebenfalls niedrigen europäischen Durchschnitt von 6 %.

Rima Hanano, Co-Geschäftsführung CLAIM: „Die Jahresbilanz zeigt deutlich: Antimuslimischer Rassismus ist für viele Menschen in Berlin Alltag – sie werden beleidigt, angegriffen, benachteiligt und diskriminiert. Besonders alarmierend sind die 65 dokumentierten Körperverletzungen, darunter acht gefährliche. Häufig haben wir zudem Fälle dokumentiert, in denen Frauen betroffen sind. 2025 wurden zudem erstmals wieder Angriffe auf Moscheen dokumentiert. Besorgniserregend ist, dass die Erfahrungen betroffener Menschen noch immer häufig relativiert oder in Frage gestellt werden. Das führt zu Verunsicherung, Rückzug und schwächt das Vertrauen in staatliche Institutionen und in die Politik. Wenn ein erheblicher Teil der Menschen in dieser Stadt nicht die gleiche Sicherheit, den gleichen Schutz und die gleichen Chancen erfahren, ist das kein Problem einer Minderheit, sondern eine demokratische Herausforderung für uns alle.“

Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung: „Die Auseinandersetzung mit Rassismus ist schmerzhaft und die in der Jahresbilanz 2025 dokumentieren Vorfälle schockieren mich sehr. Die Dokumentation und Analyse von antimuslimischem Hass und Rassismus sind sehr wichtig, denn diese Zahlen und Berichte sind eine wichtige Grundlage für politische Forderungen und für unsere konkreten Maßnahmen, um Musliminnen und Muslime in unserer Stadt noch besser zu schützen. Deshalb bin ich sehr dankbar für die wertvolle Arbeit von CLAIM!“

Antimuslimische Vorfälle wurden 2025 durch CLAIM in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen dokumentiert. Am häufigsten wurden Fälle im öffentlichen Raum (38,2 Prozent) dokumentiert, gefolgt vom Bildungsbereich (17 Prozent) sowie dem Internet (16,5 Prozent). Die meisten Fälle betrafen verbale Angriffe (399), gefolgt von Fällen wie Körperverletzungen und Sachbeschädigungen (289) sowie Diskriminierungen (273).

Die dokumentierten Fälle zeigen, dass antimuslimischer Rassismus weiterhin ein strukturelles Problem darstellt, das sich durch nahezu alle Lebensbereiche zieht. Er äußert sich in Diskriminierungen, Ausgrenzungen, verbalen Angriffen und körperlicher Gewalt und beeinträchtigt die gleichberechtigte Teilhabe vieler Menschen in Berlin.

Auch die Polizei Berlin verzeichnete im Jahr 2025 einen Anstieg islamfeindlicher Straftaten. Insgesamt wurden 186 entsprechende Straftaten durch staatliche Stellen registriert (2024: 166).
Laut Berlin-Monitor (2024) berichten 89 % der Berliner Muslim*innen und muslimisch wahrgenommenen Menschen, in den zwei Jahren vor der Befragung Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben.

Die Analyse der dokumentierten Fälle zeigt, dass antimuslimische Vorfälle häufig im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und politischen Debatten stehen. Insbesondere Debatten über Migration, Asyl, Integration und Sicherheit werden regelmäßig mit islam- und muslimfeindlichen Ressentiments verknüpft. Solche Diskurse tragen dazu bei, rassistische und menschenfeindliche Positionen gesellschaftlich zu normalisieren und schaffen einen Nährboden für antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen. Die Folgen zeigen sich auch in den dokumentierten Vorfällen: Islam- und muslimfeindliche Narrative spiegeln sich vielfach in der Agitation von Täter*innen wider.

Um die Demokratie zu schützen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, fordert CLAIM insbesondere den konsequenten Ausbau und die Absicherung der zivilgesellschaftlicher Dokumentations- und Monitoringstrukturen, eine Verbesserung der staatlichen Erfassung,  Aufklärung und eine effektivere Strafverfolgung antimuslimischer Hasskriminalität, den Ausbau von Beratungs- und Beschwerdestrukturen, verpflichtende Fortbildungen zu antimuslimischem Rassismus in staatlichen Einrichtungen sowie die rassismuskritische Weiterentwicklung von Schulen. CLAIM fordert außerdem die Entwicklung und Umsetzung einer Berliner Landesstrategie zur Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus.

Zentrale Ergebnisse der Jahresbilanz antimuslimischer Vorfälle in Berlin 2025

  1. 975 dokumentierte antimuslimische Vorfälle im Jahr 2025 (2024: 644) – ein Anstieg um rund 51 Prozentpunkte. Durchschnittlich nahezu drei antimuslimische Vorfälle pro Tag in Berlin.
  2. Verbale Angriffe machen mit 399 Fällen den größten Anteil aus (41,5 %), gefolgt von 289 Fällen von verletzendem Verhalten (30,1 %) – dazu gehören u. a. Körperverletzungen und Sachbeschädigungen – sowie 273 Diskriminierungen (28,4 %).
  3. Dokumentiert wurden mit 65 Vorfällen mehr Körperverletzungen als im Berichtsjahr 2024 (2024: 48) – darunter acht gefährliche Körperverletzungen.
  4. 2025 wurden erstmals wieder Angriffe auf Moscheen dokumentiert. Insgesamt wurden vier entsprechende Vorfälle im Berichtsjahr 2025 erfasst, nachdem im Vorjahr keine Moscheeangriffe registriert worden waren (2024: 0).
  5. Besonders betroffen sind Frauen: In den Fällen, in denen Angaben zum Geschlecht vorliegen, sind Frauen mit 57,5 Prozent der dokumentierten Fälle besonders häufig betroffen. Die Ergebnisse bestätigen damit erneut die besondere Betroffenheit sichtbar muslimischer Frauen an der Schnittstelle von Rassismus und Sexismus.
  6. Bei den Fällen, bei denen der Ort bekannt ist: Die meisten Vorfälle wurden im öffentlichen Raum (38,2 Prozent) dokumentiert, gefolgt vom im Bildungsbereich (17 Prozent) sowie dem Internet (16,5 Prozent).
  7. Es ist von einem erheblichen Dunkelfeld antimuslimischer Vorfälle

Fallbeispiele aus Berlin aus dem Jahr 2025

  • Berlin-Grünau, 22.02.2025: Unbekannte attackieren zwei Mädchen am Bahnhof
    In Berlin-Grünau wurden zwei Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren von zwei Unbekannten angegriffen und rassistisch beleidigt. Die Angreifer rissen an den Kopftüchern der Mädchen, das Kopftuch der 14-Jährigen zerriss. Beiden Mädchen wurden ins Gesicht geschlagen, zudem erlitt die 16-Jährige eine Verletzung am Arm durch ein Taschenmesser. Die 14-Jährige klagte anschließend über Kopfschmerzen. Die Täter flüchteten nach der Tat. (Polizei Berlin)
  • Berlin-Zehlendorf, 18.06.2025: Mann wird jahrelange durch Nachbar terrorisiert und erhält Hassnachrichten
    Ein Mann aus Berlin-Zehlendorf erhält seit seinem Einzug im Jahr 2019 von einem Nachbarn regelmäßig rassistische Hassnachrichten, etwa alle zwei bis drei Monate. Nach eigenen Angaben bekam er bislang mindestens 20 Schreiben mit beleidigendem und rassistischem Inhalt beispielsweise „Du mohamedanisches K******-Schwein, hau ab aus Deutschland!“. Die mindestens 15 erstatteten Anzeigen blieben erfolglos. (CLAIM-Medienmonitoring)
  • Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf, 05.03.2025: Hass-Anmeldungen zu Fastenbrechen

Im Vorfeld eines gemeinsamen Fastenbrechens im Rathaus Charlottenburg im Rahmen der Aktionswochen gegen Rassismus gingen mehr als 700 Fake-Anmeldungen ein. Viele Anmeldungen enthielten NS-verherrlichende Namen wie „Adolf Hitler“ oder „Goebbels“. Die Veranstalter*innen fühlten sich dadurch massiv verunsichert und befürchteten extrem rechte Angriffe auf die Veranstaltung. In der Folge wurden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärkt.
(Berliner Register)

  • Berlin-Neukölln, 01.03.2025: Antimuslimischer Drohbrief an Berliner Moschee verschickt

In einer Moschee in Neukölln wurde ein antimuslimischer Drohbrief zusammen mit einem USB-Stick im Briefkasten aufgefunden. Die Inhalte umfassten Karikaturen sowie Aufrufe zu Gewalt gegen Muslim*innen und Moscheen. (Polizei Berlin)

  • Berlin-Prenzlauer Berg, 19.04.2025: Sexistisch rassistische Beleidigung in Prenzlauer Berg

Eine Gruppe von fünf Frauen war auf dem Weg zu einem Einkaufszentrum in Prenzlauer Berg, als ein Mann sie beim Einsteigen in eine Straßenbahn hinderte. Dabei spuckte er die Frauen an und beleidigte sie mit den Worten: „Ihr Schlampen, ihr solltet hier verschwinden mit euren Kopftüchern!“ (Nachbarschaftshaus Neukölln)

Die ausführlichen Handlungsempfehlungen sowie weitere Hintergrundinformationen sind der Publikation „Antimuslimische Vorfälle in Berlin 2025“ zu entnehmen. Die Publikation erscheint am 08.06.2026 und ist abrufbar unter: https://www.claim-organisation.de/aktuelles/publikationen/

Über Report! Berlin: Die Melde- und Informationsstelle Report! Berlin dokumentiert antimuslimische Diskriminierungen und Übergriffe im Land Berlin, um antimuslimischen Rassismus in seinen intersektionalen Erscheinungsformen und Dimensionen sichtbar zu machen. Darüber hinaus qualifizieren wir Beratungs-, Anlauf- und Meldestellen in Berlin und stärken Community-Strukturen. Report! Berlin ist ein Projekt von CLAIM und wird seit Januar 2024 von der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung im Rahmen des Berliner Landesprogramms gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) gefördert. Weitere Informationen unter www.report-amr-berlin.de

Über CLAIM: CLAIM macht sichtbar, was sonst oft übersehen wird. Wir sind eine bundesweit tätige gemeinnützige Organisation und setzen uns dafür ein, antimuslimischen Rassismus in Deutschland sichtbar zu machen und wirksames Handeln dagegen zu ermöglichen. CLAIM sensibilisiert, vernetzt, unterstützt Zivilgesellschaft und Institutionen und dokumentiert bundesweit Vorfälle von antimuslimischem Rassismus. Wir verstehen unsere Arbeit als fachlichen Beitrag zu Stabilität, gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischer Resilienz.

CLAIM wird unter anderem gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, vom Bundesministerium des Innern im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz sowie von der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung des Landes Berlin.
Weitere Informationen: claim-organisation.de

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